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  • July 13, 2020

RICHARD GALLIANO New Musette Quartet – Das Akkordeon bin ich

Richard Galliano feiert dieses Jahr 50 Jahre Bühnen-Präsenz, im Dezember wird er siebzig. Ein Jahr der Feierlichkeiten, das er dieses Jahr immerhin am Festival da Jazz begehen kann. Mit dem neu formierten New Musette Quartet blickt er zurück auf seine epochemachende CD von 1991, “New Musette“. Gleichzeitig nimmt er mit dieser neuen Band auch eine CD auf, die 2021 er scheint. Von Ruedi Ankli

 

Vom Chanson zu Chet Baker und Astor Piazzolla

Aber b licken w ir d och z uruck in das erste halbe Jahrhundert Richard Galliano live. Nach seinem Abschluss am Konservatorium in Nizza 1969 begleitete er durch die Siebzigerjahre hindurch Personlichkeiten der Chanson-Szene wie Barbara, Serge Reggiani oder den sehr Jazz-affinen Claude Nougaro. 1981 machte er seine erste Jazz-Platte mit Chet Baker, doch der Weg fur einen Jazz-Akkordeonisten war in diesem elektronisch bestimmten Jahrzehnt nicht vorgezeichnet.

Kaum vorzustellen, aber in den Achtzigerjahren trat Galliano umgeben von viel elektronischer Verstarkung

auf. Die Begegnung mit dem argentinischen Tango-Nuevo-Pionier Astor Piazzolla war fundamental, denn dieser ermutigte ihn, in der Tradition der Musette seine Identitat zu suchen. Wahrend in der Rockmusik Gruppen wie die Negresses Vertes um 1990 mit wilden und sentimentalen Akkordeonklangen Furore machten, war in Sachen Jazz seit den Zeiten eines Gus Viseur – wir reden von den Funfzigerjahren – nicht viel passiert. Das anderte sich schlagartig 1991 mit dem Live-Album “New Musette“. Das hatte auch damit zu tun, dass hier ein hochkaratiges (Power-) Quartett am Werk war: an der Gitarre Philip Catherine, am Kontrabass Pierre Michelot und am Schlagzeug Aldo Romano.

Mit zwei Ausnahmen stammten alle Kompositionen aus der Feder Gallianos, darunter das magistrale “Oblivion“ von Astor Piazzolla, dem diese CD gewidmet war.

 

Geburt der “New Musette“

In den Liner Notes strich Galliano Gemeinsamkeiten der “Musette“ mit dem argentinischen Tango oder dem amerikanischen Blues heraus, also mit einer popularen Musikkultur, die aus der Vermischung von Migrantengruppen entstanden war.

Galliano deklarierte auch gleich seine Einflusse, die er mit der “New Musette“ in Verbindung bringt, Piazzolla, Coltrane, Bill Evans, Debussy und andere mehr. Vor allem also Jazz, und dazu hatte er das richtige Personal, allen voran der ungemein swingende Catherine an der Gitarre.

S wing i st d as S chlusselwort fur die grosse Kunst dieses Akkordeonisten, der seither in knapp vier Jahrzehnten mit grosser Freude am Experimentieren von einer eige-nen Interpretation der Tango Visionen eines Piazzolla uber den brasilianischen Forro, klassische Autoren wie Bach, Mozart und Beethoven bis hin zu neuen Einblicken in die franzosische Chanson-Tradition einer Edith Piaf oder seines genialen Vorgangers am Akkordeon Gus Viseur ein einzigartiges Panorama erschlossen hat.

Ganz zu schweigen vom Supertrio mit dem sardischen Trompeter Paolo Fresu und dem schwedischen Pianisten Jan Lundgren, in dem er seine poetischen Inspirationen besonders gut ausleben kann.

 

Die Personifizierung des Akkordeons

Den Swing fuhrt Galliano nicht auf das Instrument zuruck, sondern auf die Person, die ihn hervorbringt.

In seinem Fall ist anzumerken, Richard Galliano feiert dieses Jahr 50 Jahre Bühnen-Präsenz, im Dezember wird er siebzig. Ein Jahr der Feierlichkeiten, das er dieses Jahr immerhin am Festival da Jazz begehen kann. Mit dem neu formierten New Musette Quartet blickt er zurück auf seine epochemachende CD von 1991, “New Musette“. Gleichzeitig nimmt er mit dieser neuen Band auch eine CD auf, die 2021 er scheint. Von Ruedi Ankli Foto: G iancarlo C at taneo dass er seit Jahrzehnten dasselbe Instrument spielt, das er einst auf einem Estrich entdeckt hatte. Der Ton ist der Musiker, behauptet Galliano, was bei einem Saxophonisten selbstverstandlich ist, bei einem Akkordeonisten aber unterstrichen werden darf: “Mein Akkordeon ist Teil meines Korpers. Ich atme durch es ein und aus.“  Er schraubt nicht selten sein Knopftasten- Akkordeon auseinander, um einen einzelnen Ton zu korrigieren, wenn er einen Qualitatsverlust ortet.

Fur das anstehende sechste Jahrzehnt hat Galliano schon einige Plane, neben der erwahnten Studio- Einspielung mit dem “New Musette Quartet“ und dem Solo-Walzer- Projekt “Passion“ das Oratorium “Les Chemins Noirs“ nach dem literarischen Werk von Rene Fregni, zu dem er die Musik geschrieben hat. An eine Pensionierung denkt dieses Genie, das Einmannorchester, das immer in Orchester- Dimensionen denkt, noch lange nicht, und das ist gut so.

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